10 Jahre Energiegenossenschaft Lahn-Dill-Bergland

10 Jahre Energiegenossenschaft Lahn-Dill-Bergland – Weitere Beteiligung für Bürger

Umweltfreundlichen Strom in der Region zu erzeugen – das war von Beginn an das Ziel der Energiegenossenschaft Lahn-Dill-Bergland. Mit Beteiligungen an Windrädern, an einem Wasserkraftwerk und an einem Solarpark wurde die Idee, mehr und mehr auf erneuerbare Energien umzusteigen, umgesetzt. Immer mit im Boot: Bürger, die über eine Mitgliedschaft Anteile erwerben konnten. Und in diesem Jahr gibt es einen Grund zu feiern, die Genossenschaft besteht seit 10 Jahren. Im Frühjahr 2016 waren es 12 Kommunen und drei strategische Partner, die sich zusammenschlossen und den Startschuss für eine durchaus erfolgreiche Dekade gaben. Mittlerweile hat die Energiegenossenschaft 300 Mitglieder. „Wir sind da recht zufrieden und sind in den letzten Jahren stetig gewachsen. Unsere Geschäftsanteile belaufen sich aktuell auf rund 10.220 mit einem Wert von 1.022.000 Euro“, erläutert Vorstandsvorsitzender Markus Weiß. Die Jahresbilanz von rund 5 Millionen Euro fällt ebenfalls erfreulich aus. Einen großen Schub gab es durch die Beteiligung am Windpark Stocksol in Angelburg. „Da haben wir eine Steigerung um etwa zwei Millionen Euro erreichen können“, sagt Weiß. Die Geschäftsanteile zum Jahresende 2025 lagen bei einem Wert von rund 895.000 Euro. Ende 2024 lagen sie bei rund 730.000 Euro und Ende 2023 wurden 595.000 Euro erreicht. „Daran erkennt man, wie wir uns in den Jahren positiv entwickelt haben und gewachsen sind.“ Im Jubiläumsjahr geht es mit der Genossenschaft in ein neues Projekt. Rund 2,5 Millionen Euro, 20 Prozent Anteil, wurden in den Windpark Stocksol bei Angelburg investiert. Hier entstehen vier Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 23 Megawatt. Unterbreitet wird Mitgliedern und Interessenten eine Beteiligungsmöglichkeit mit Zeichnung von Mitgliedsanteilen in Höhe von 30 Prozent sowie Darlehen von 70 Prozent.   

Fragen an den Vorstandsvorsitzenden Markus Weiß: 

Herr Weiß, 10 Jahre Energiegenossenschaft Lahn-Dill-Bergland – können Sie sich noch an die Anfänge erinnern? Wer hatte die Idee für die Genossenschaft?

Zu Beginn war ich sehr gespannt, wie dieses neue Projekt von der Bürgerschaft angenommen und wir die Beteiligung erfolgreich umsetzen können. Die Idee kam aus dem Kreis der Bürgermeister der Kommunen des Lahn-Dill-Berglandes, insbesondere muss hier der ehem. Bürgermeister der Gemeinde Mittenaar genannt werden. Hermann Steubing war so etwas wie der Motor, dessen bestreben es war, die Kräfte und Möglichkeiten in den Kommunen mit entsprechenden strategischen Partnern zu bündeln, um gemeinsam eine Strategie zur Gewinnung von Erneuerbaren Energien in dem Bereich zu entwickeln und voran zu bringen. Man hat im Jahr 2014 mit 12 Kommunen und 3 strategischen Partnern die Lahn-Dill-Bergland Energie GmbH gegründet, um gemeinsam die Projekte in diesem neuen Energiesektor voranzubringen. Um die Bürgerinnen und Bürger daran direkt beteiligen zu können, war die Gründung einer Energiegenossenschaft notwendig, welches dann im März 2016 erfolgt ist. Ich muss sagen, wir arbeiten in den Gremien der Genossenschaft und auch mit den Beteiligten in der Energie GmbH sehr konstruktiv und zielführend zusammen und die Tätigkeit als Vorsitzender des Vorstands hat mir in den vergangenen 10 Jahren seit Gründung sehr viel Freude bereitet. Ich bin mit meinen Vorstandskolleginnen und -kollegen schon ein wenig Stolz auf das bisher Erreichte.  

Wasser, Wind, Sonne – der Focus liegt auf erneuerbare Energien. Unter welchen Aspekten suchen Sie sich die Projekte aus? Wie groß ist das Angebot in der Region? 

Wie ich schon sagte, arbeiten wir eng mit der Geschäftsführung der Energie GmbH zusammen und es ist das Ziel, die hier möglichen Projekte in den beteiligten Kommunen gemeinsam voranzubringen und somit einen kleinen Beitrag zur avisierten Energiewende zu erreichen. Die Energie GmbH hat derzeit über 20 Projekte (Wind- und Solarprojekte) in dem Bereich Lahn-Dill-Bergland im Portfolio, die nach und nach unter Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen vorbereitet und wenn die Wirtschaftlichkeit gegeben ist, umgesetzt werden sollen. Soweit bei den einzelnen Projekten diese Voraussetzungen gegeben sind und das Projekt umsetzungsreif ist, werden wir nach Möglichkeit als Genossenschaft mit in den Prozess eingebunden, damit wir dann die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger einleiten können. 

Sie legen großen Wert auf eine Beteiligung der Bürger aus der Region. Mit welchen Renditen konnten die Investoren bisher bei den Projekten rechnen? Und wie sind die Aussichten beim neuen Windpark Stocksol in Angelburg?

In den bisherigen Beteiligungsprojekten waren für die seitens unserer Mitglieder gewährten Nachrangdarlehen Zinserträge von 2 bis 4 % jährlich möglich. Teilweise ist der Zinsertrag abhängig vom Solar- bzw. Windertrag des zurückliegenden Geschäftsjahres, auf dessen Basis dann die Verzinsung der Darlehen erfolgt.

Bei dem Windpark Stocksol liegt die Verzinsung der gewährten Darlehen für die Jahre 2026 bis 2028 (Eintritt in die Windpark GmbH, Bau und Inbetriebnahme Windenergieanlagen) fix bei jährlich 1,5% und ab dem Jahre 2029 beträgt die Verzinsung 2 bis 7% pro Jahr. Nach den Windgutachten und der vorliegenden Wirtschaftlichkeitsberechnungen beläuft sich der durchschnittlich erwartete Zinsertrag bei 5 – 5% jährlich. Alles deutet darauf hin, dass es in der Region ein sehr erfolgreicher Windpark wird.

Ebenso profitierten unsere Mitglieder, die selbst kein Nachrangdarlehen gewährt haben, auch an den Erträgen der Genossenschaft. In der Vergangenheit haben wir bisher auf die Geschäftsanteile Dividenden zwischen  4 bis 8 % auf die Jahreserträge der jeweiligen Geschäftsjahre auszahlen können.

Die Fragen stellte Kilian Scharf